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ballensilage.com-Special
/ (11/2012) Interview mit Fa. Südzucker, Fa. Göweil und Lohnunternehmen Weiß (Wieseth)


Die Gesprächsteilnehmer in Ansbach, © ballensilage.com
Die Gesprächsteilnehmer in Ansbach, © ballensilage.com

Die Firma Südzucker AG (Mannheim/Ochsenfurt) ist mit 9 deutschen Werken einer der größten Zuckerproduzenten im Land. Dabei werden in den verschiedenen Zuckerfabriken Zuckerrübenpresschnitzel als Nebenerzeugnis produziert, die primär in der Milchviehfütterung als Silage eingesetzt werden.

In Zusammenarbeit mit dem österreichischen Landmaschinenhersteller Göweil ist dabei das Verfahren zur Silierung von Pressschnitzeln in Rundballen entwickelt worden. Lohnunternehmen, wie z.B. der Betrieb Weiß aus dem fränkischen Wieseth bieten das Verfahren für den Landwirt an.

Mit Frau Dr. Potthast von Südzucker (Produktmanagerin Futtermittel), Herrn Hach von Göweil (Vertrieb) und Lohnunternehmer Herrn Weiß sprach Manuel Stammwitz von ballensilage.com am 7.11.2012 am Standort des Maschinenringes Ansbach im fränkischen Ansbach.

ballensilage.com: „ZR-Pressschnitzel sind ein bewährtes Futtermittel, das aber leicht verderblich ist. Die Pressschnitzel werden daher zur Haltbarmachung üblicherweise in Fahrsilos oder auch Folienschläuchen einsiliert. Welche Vorteile hat die Silierung in Rundballen und für wen ist dieses Verfahren das richtige?“

Frau Dr. Potthast: „Bei vielen Betriebe gibt es Probleme, wenn Fahrsilos oder Folienschlauchsilos zu groß dimensioniert sind: dann ist der Vorschub zu gering und es kommt zur Nacherwärmung. Hier hat der kompakte Siloballen Vorteile, denn er bleibt stabil und bewahrt die Qualität der Pressschnitzel. Diese sind mit ihrem hohen Energiegehalt und ihrer Schmackhaftigkeit für Kühe ja ein besonders hochwertiges Futtermittel.“

Herr Weiß: „Bei uns im mittelfränkischen Raum mit seinen zahlreichen kleinen und mittleren Betrieben sind die Siloballen ideal, um auch kleine Mengen an Futtermitteln sauber zu silieren. Allerdings sind die Ballen recht schwer – wir reden hier von gut einer Tonne Gewicht.“

Herr Hach: „Durch die Press-Wickelkombination ‚LT-Master‘ von Göweil ist Silagefutter in praktischen Rundballen handelbar. Jeder Ballen ist eine kleine Einheit, welche schnell und einfach verfüttert werden kann. Somit besteht einerseits keine Gefahr der Nacherwärmung und andererseits können auch kleinere Betriebe Silage zur Fütterung einsetzen. Durch den schnellen Luftausschluss und der hohen Verdichtung beim Pressvorgang bieten Silageballen bestmögliche Futterqualität!“

„Ein weiteres Argument für Siloballen ist die aktuelle Problematik des Sickersaftaustrittes bei klassischen Fahrsilos…“

Frau Dr. Potthast: „Ja, hier kommt nämlich einiges auf uns zu. Derzeit ist eine neue Verordnung des Umweltministeriums in Arbeit. Hier sind wesentliche Verschärfungen im Umgang mit wassergefährdenden Stoffen vorgesehen, zu denen neben Gülle auch die Silagen gehören. Für Fahrsilos sind zukünftig beim Neubau sehr hohe Anforderungen an die baulichen Ausführungen zu erfüllen. Die Anlagen müssen doppelwandig ausgeführt werden und es müssen Leckageerkennungssysteme installiert werden. Für Siloballen sind zwar keine Extraauflagen geplant, allerdings wird auch die Entnahme von Silage neuen Vorschriften unterworfen, was somit auch wieder den Siloballen betrifft.“

ballensilage.com: „Südzucker und Göweil sind sehr engagiert, um das Verfahren der Silierung von ZR-Presschnitzeln in Rundballen zu etablieren. Können Sie kurz die Anfänge der Zusammenarbeit skizzieren?“

Herr Hach: „Unsere Zusammenarbeit resultiert aus der Aktivität einiger Lohnunternehmer, die verschiedene Fütterungsversuche angestellt haben. Im Gebiet Plattling sind wir seit drei Jahren verstärkt präsent. Daraus entstand die Kooperation mit Südzucker.“

Frau Dr. Potthast: „In der Schweiz werden ZR-Pressschnitzel in Siloballen gepresst direkt von den Zuckerfabriken ab Werk verkauft. Wir von Südzucker gehen da einen anderen Weg: nach dem Grundsatz ‚Schuster bleib bei deinen Leisten‘ arbeiten wir mit Lohnunternehmen zusammen, die für unsere Kunden die Siloballen wickeln – wie das Lohnunternehmen Weiß. Außerdem fehlen uns auch die Lagerkapazitäten für die Mengen an Siloballen. In Ostdeutschland ist der Siloballen kein großes Thema, hier ist der Folienschlauch zur Silierung der großen Mengen geeigneter. Daher arbeiten wir auch dort mit der Fa. BAG Budissa Agroservice zusammen, die Spezialist für die Siloschlauchtechnologie ist.“

Herr Weiß: „Der Siloballen muß sich auch erst noch richtig etablieren, die Kunden sind vorsichtig und schauen erst einmal, wie es bei anderen funktioniert, ehe sie selber einsteigen. Aber ich habe immer schon gerne die Vorreiter-Rolle übernommen und Sachen gemacht, die andere nicht tun. Neue Märkte müssen aufgebaut werden. So ist das auch mit den Siloballen aus Pressschnitzeln.“

Herr Hach: „Ja, Herr Weiß leistet da schon Pionierarbeit. Jetzt wo die Möglichkeiten da sind, Siloballen aus den Pressschnitzeln herzustellen, hoffen wir natürlich, dass dieses Verfahren weiter an Bedeutung gewinnt – denn es paßt ja gut zu den relativ kleinen fränkischen Betriebsstrukturen.“

ballensilage.com: „In der Region sind Sie, Herr Weiß, noch alleine. Wie sehen die Planungen aus, wenn sich in Zukunft mehr Landwirte für das Verfahren interessieren?“

Herr Weiß: „Nun, dann wird es dazu kommen, dass es weitere Lohnunternehmen geben wird, die das Verfahren anbieten – das ist ein normaler Vorgang in unserer freien Marktwirtschaft.“

ballensilage.com: „Nicht jede Ballenpresse am Markt ist für die Herstellung von Siloballen aus ZR-Pressschnitzeln geeignet. Welche speziellen Anforderungen werden an die Technik gestellt?“

Herr Hach: „Zum Pressen von Siloballen aus Presschnitzeln ist zunächst auf eine gleichmäßige Zuführung der Schnitzel in die Presse zu achten. Bei unserer Press-Wickelkombination ‚LT-Master‘, mit der auch das Lohnunternehmen Weiß arbeitet, gelangen die Schnitzel von einem Bunker über die Dosierwalzen auf einen Steilförderer. Von dort fallen sie durch eine Öffnung in die Presskammer. Hier sind vor allem die hohe Pressdichte und der schnelle Luftausschluss maßgeblich dafür verantwortlich, dass qualitativ hochwertige und perfekt gewickelte Silageballen produziert werden.“

„Ein unter der Presse laufendes Rückführband sorgt zusätzlich dafür, dass Bröckelverluste möglichst klein gehalten werden. Sollte der TM-Gehalt der Presschnitzel zu hoch sein, kann beim Pressen zusätzlich Wasser beigemengt werden.“

„Wir empfehlen bei den Rübenschnitzeln die Folienbindung anstelle eines herkömmlichen Netzes – der Siloballen behält somit seine optimale Form. Bei der Entsorgung müssen, im Gegensatz zum Netz, die Folien nicht voneinander getrennt werden. Nach dem Pressen müssen die Ballen sofort gewickelt werden, was bei unserer LT-Master als Press-Wickelkombination ja ohnehin gegeben ist. So können bei der Pressschnitzelsilierung bis zu 40 Ballen in der Stunde erzeugt werden.“

ballensilage.com: „Welche sind die kritischen Phasen im Verfahren der Rundballenerzeugung?“

Herr Hach: „Die Koordination zwischen Zulieferer und Lohnunternehmer ist sehr wichtig. Genauso wie der TM-Gehalt der Pressschnitzel. Das sind die wichtigsten Faktoren. Besteht hier ein optimales Zusammenspiel können ‚kritische Phasen‘ weitestgehend vermieden werden.“

„Wird zuwenig Material angeliefert, ist die Maschine nicht ausgelastet und arbeitet unwirtschaftlich. Bei zu großen Mengen ist eine Zwischenlagerung notwendig. Probleme können dann durch Futterverschmutzungen sowie zusätzlichen Arbeitsaufwand aufkommen. Durch Zeitverzögerungen kühlt das Material außerdem ab, aber wir wollen es doch möglichst warm einsilieren.“

Frau Dr. Potthast: „Probleme können auch durch zu niedrige TM-Gehalte der Pressschnitzel entstehen. Dann schmiert das Material und die Siloballen sind nicht formstabil und können auseinanderlaufen. In unseren Werken im Westen ist das aber kein Problem. In der Regel liegen wir mit durchschnittlich über 28% TM-Gehalt im grünen Bereich.“

ballensilage.com: „Die Pressschnitzel sind ein Nebenprodukt der Zuckererzeugung. Da kommt schnell der Gedanke, dass ein erhöhtes Risiko der Nacherwärmung vorliegt. Ist dem tatsächlich so und was ist zu tun, um Verderb vorzubeugen?“

Frau Dr. Potthast: „Bei frischen Pressschnitzeln haben wir einen durchschnittlichen Zuckergehalt von 9-10% in der Trockenmasse. Südzucker übertrifft damit das für ein gutes Silieren geforderte Minimum von 5-6% bei Weitem. Restzuckergehalte in der Silage sind aber kein Problem, denn der Zucker ist beim Siliervorgang normalerweise nach 24-48 Stunden Gärdauer schon komplett in Milchsäure umgesetzt. Die Energie der Pressschnitzel kommt aus dem Pektin, immerhin haben wir etwa 7,5 MJ NEL Energie pro kg TM. Um Probleme mit Nacherwärmung auszuschließen, muss gewissenhaft gearbeitet werden. Dazu zählen eine hohe Verdichtung, ein optimaler Gärverlauf, eine genügende Entnahmemenge und selbstverständlich auch die regelmäßige Kontrolle der lagernden Siloballen auf Verletzungen.“

Herr Hach: „Unter den eben genannten Kriterien kann die Fütterungsdauer eines Ballens bis zu einer Woche betragen, bevor eine Nacherwärmung des angebrochenen Ballens einsetzt, Dafür ist in erster Linie die hohe Verdichtung des Siloballens beim Pressvorgang ausschlaggebend.“

Herr Weiß: „Wir gehen immer von optimal gewickelten Ballen hoher Qualität aus. Die kostet natürlich Geld. Einige Kunden wollen sparen und Ballen mit weniger Folie gewickelt bekommen. Das bringt nichts – außer Ärger! Wenn dann die Ballen keine gute Qualität haben, gerät das Verfahren in Mißkredit und wird nicht weiterempfohlen. Hier muß klar gesagt werden, dass Qualitätsballen Geld kosten. Wer nicht bereit ist, hier zu investieren, sollte sich ein anderes Verfahren aussuchen.“

ballensilage.com: „Bei Gras- und Maissilage hat sich der Einsatz von Siliermitteln zur Absicherung des Siliererfolgs bewährt – wie beurteilen Sie den Einsatz dieser Produkte bei der Herstellung von Pressschnitzelsilagen bzw. Rundballen? Welche Produkte würden Sie empfehlen?“

Frau Dr. Potthast: „Pressschnitzel silieren ohne Silierzusätze hervorragend. Wir empfehlen ihren Einsatz derzeit nur bei Einsilierung in Folienschläuchen und auch nur bei vorzeitiger Öffnung des Silos, bei Sommerfütterung oder bei zu geringem Vorschub. Es sollte dann ein DLG-geprüftes Mittel der Wirkungsrichtung 2 gegen Nacherwärmung eingesetzt werden. Bei unseren Siloballen haben wir eine hohe Verdichtung, eine gute Silierqualität und bei Siloballen ist der Vorschub ja auch kein Thema. Biologische Präparate auf Basis von Milchsäurebakterien empfehlen wir nicht – bei den hohen Temperaturen der frischen Pressschnitzel von 50°C sind sie unserer Erfahrung nach nicht wirksam.“

ballensilage.com: „Wir haben erfahren, dass zügiges Arbeiten und Futterhygiene vonnöten ist, um ein gutes Silierergebnis zu erzielen. Verkauft Südzucker die Siloballen direkt an die Landwirte oder muß der Landwirt nun selber die technischen Voraussetzungen schaffen und die Siloballen selber wickeln?“

Frau Dr. Potthast: „Bereits vor etwa 11 Jahren hat Südzucker in Eigenregie versucht, Ballen zu pressen und zu verkaufen. Das hat aus unterschiedlichen Gründen nicht funktioniert. Vom Verfahren sind wir aber weiterhin überzeugt, so dass wir es weiterhin propagieren und versuchen, es mit der Unterstützung von Lohnbetrieben zu etablieren. Ein Vorteil der intensiven Zusammenarbeit mit den Lohnunternehmen ist neben der professionellen Arbeitsqualität natürlich auch das Pressen der Ballen vor Ort beim Landwirt. So muß der Ballen vor der Einlagerung nicht mehr unnötig bewegt werden.“

ballensilage.com: „Wo liegen die ca.-Preise für die Siloballen für den Landwirt?“

Herr Weiß: „Pro Ballen liegt der Preis derzeit bei ca. 75.- Euro netto. Die Summe setzt sich zusammen aus dem Preis für die angelieferte Ware durch die Zuckerfabrik plus den Kosten für das Pressen der Ballen auf dem Hof. Natürlich gibt es auch eine Preisstaffel je nach Anzahl gepresster Ballen. Der Preis mag zunächst hoch erscheinen, aber viele Landwirte, die das Verfahren ausprobiert haben, loben die Qualität und wollen nichts anderes mehr haben.“

Frau Dr. Potthast: „Wir führen jedes Frühjahr eine Frühbestellaktion für Pressschnitzel durch. Im Herbst erhält der Landwirt seine Menge dann zu dem festgelegten Preis garantiert geliefert. So kann der Kunde schon frühzeitig verläßlich mit Mengen und Preisen kalkulieren.“

ballensilage.com: Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen Sie beim Verfahren der Herstellung von Rundballen aus ZR-Pressschnitzeln?“

Frau Dr. Potthast: „Verbesserungespotential gibt es noch bei der Minimierung von Bröckelverlusten – daran wird derzeit gearbeitet. Ansonsten ist das Verfahren ausgereift. In Zukunft werden wir vermehrt Werbung für das Verfahren machen, um es weiter in die Region zu tragen.“

Herr Weiß: „Die Qualität der Siloballen sollte ausprobiert werden können. Wir müssen einmal darüber nachdenken, interessierten Landwirten Probeballen anzubieten, denn wie heißt es so schön ‚Probieren geht über studieren‘. Dazu werden wir uns noch etwas einfallen lassen.“

ballensilage.com: „Frau Dr. Potthast, Herr Hach, Herr Weiß, vielen Dank für das ausführliche Gespräch.“



Kontakt:

Südzucker AG
www.suedzucker.de

Göweil
www.goeweil.at

Weiß Lohnunternehmen
www.weiss-lohnunternehmen.de


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