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Schwein mit Spielzeug, © ballensilage.com
Schwein mit Spielzeug, © ballensilage.com

DLG / 01.07.2019
„Nachhaltige Schweinehaltung“ im Fokus einer DLG-Fachtagung

Indikatoren und Stallbaulösungen für Umweltwirkungen und Tiergerechtheit – Präsentation von Projekten der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Pressemitteilung / (Frankfurt am Main) Am 18. Juni 2019 fand im DLG-Haus in Frankfurt am Main eine Fachtagung zum Thema „Nachhaltige Schweinehaltung“ statt. Rund 70 Fachleuten und Betriebsleitenden wurden die Ergebnisse von zwei Projekten vorgestellt, die über die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wurden.

Wie Nährstoffströme und Treibhausgase sowie Tiergerechtheit in der Schweinehaltung berechnet werden können, stellten Frau Franziska Becker vom Privaten Institut für Nachhaltige Landbewirtschaftung (INL) in Halle und Stephan Ebschke von der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg vor. Sie zeigten, dass es auf Grundlage von individuellen Betriebsdaten möglich sei, einzelbetriebliche Bilanzen zu erstellen und eine Aussage zum Nachhaltigkeitsstatus zu treffen. Die Unterschiedlichkeit der Betriebstypen bezüglich der Produktionsrichtungen, der Tiergruppen und der Gebäudeausstattung sei gut abbildbar. Einflussfaktoren auf das Nachhaltigkeitsergebnis, wie die Leistung der Tiere, die Fütterung, die Wirtschaftsdüngerlagerung und der Stall, sind gut erkennbar und bilden die Basis für Optimierungspotenziale. Bei der Auswertung der Indikatoren können unterschiedliche Bezugsebenen gewählt werden (LMZ, Tierplatz, GV, Produkt, essbares Protein). Hervorgehoben wurde, dass die Zielwert- und Grenzwertdiskussion zwischen Stakeholdern und nationalen Projekten abzustimmen sei.

Zur Bewertung der Tiergerechtheit erläuterte Stephan Ebschke wie im Projekt vorgegangen wurde, um eine ganzheitliche, praktikable Status-Quo-Erhebung der Tiergerechtheit mit Analyse von Schwachstellen zu ermöglichen. Dabei wurden etablierte Methoden wie „Welfare Quality®“ und „KTBL betriebliche Eigenkontrolle“ zu Grunde gelegt und harmonisiert. Entstanden ist ein Kriterienkatalog für die Bereiche Haltungsumwelt, Leistung und Gesundheit, äußeres Erscheinungsbild, Tierverhalten.

Wie man Emissionsminderung und Tierwohl in einem Stall realisieren kann, stellten Helmut Döhler von DöhlerAgrar, Untermerzbach und Christian Auinger von Schauer Agrotronic, Prambachkirchen in Österreich vor. Im neu entwickelten Niedrig-Emissionsstallsystem werden Schweine in einem Außenklimastall mit innenliegendem gekapselten Komfortbereich unter Berücksichtig aller Tierwohl- und Tiergesundheitsaspekte gehalten. Ziel des neuen Systems zur Haltung von Schweinen ist es, die Ausbildung von Gülle zu verhindern. Hierzu werden die jeweiligen Fraktionen von Kot und Harn unmittelbar getrennt und aus dem Stall entfernt und der Urin sofort im Stall stabilisiert, so dass die Harnstoffhydrolyse unterbunden oder reduziert wird und/oder entstehendes Ammonium / Ammoniak bereits im Stall neutralisiert und damit vor Ausgasung geschützt wird. Durch die Verhinderung der Durchmischung von Kot und Harn werden gleichzeitig Geruchs-, Methan- und Lachgasemissionen reduziert.

Angestrebt ist eine Minderung der Ammoniakemissionen um 70 Prozent, für Methanemissionen von 90 Prozent und für Geruchsemissionen 50 Prozent. Damit könnte das Emissionsminderungspotenzial von Luftfiltersystemen annähernd erreicht werden, ohne dass der Stall komplett klimatisiert werden müsste und den Tieren somit der Zugang zu Frischluft und Umweltreizen verwehrt bleibt.

Ein weiteres Schlüsselmerkmal ist die Berücksichtigung und Einhaltung von Tierwohlkriterien, so dass das Stallsystem unter Einbeziehung der Ansprüche an Tiergerechtheit, Tiergesundheit, Klimaschutz, Umweltschutz und Arbeitsplatzqualität eine gesellschaftlich konsensfähige und langfristig zukunftsfähige Form der Tierhaltung repräsentiert. Erste Wirtschaftlichkeitsberechnungen zeigen, dass sich das System auch in gängigen Praxisställen umsetzen lässt.

Herr Auinger hob hervor, dass in Österreich das Stallkonzept und die Art der Tierhaltung durch den Discounter Hofer in dem Tierwohl-Projekt „FairHof“ unterstützt wird.

Das Programm wurde abgerundet durch parallel stattfindende Workshops, in denen rege diskutiert wurde zu den drängenden Fragen bei den Themen Indikatoren Umweltwirkungen, Tierwohlstandards im Vergleich und Umgang mit Zielkonflikten.

Die Tagungsunterlagen stehen Tagungsteilnehmenden und DLG-Mitgliedern unter www.dlg.org/de/landwirtschaft/veranstaltungen/dlg-fachtagung-nachhaltige-schweinehaltung/, zur Verfügung.

weitere Informationen: DLG, www.dlg.org

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