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DLG / 03.03.2021
Praxiserfahrungen mit digitalen Tools in der Milchviehhaltung

EuroTier digital: Impulsbetriebe des Netzwerks Tierwohl berichten über ihre Erfahrungen mit dem Einsatz von digitalen Hilfsmitteln

Pressemitteilung / (Frankfurt am Main) Drei Betriebsleiter der „Impulsbetriebe Tierwohl“ des „Netzwerks Fokus Tierwohl“ diskutierten im Rahmen des Fachprogramms der EuroTier digital am 12. Februar 2021 über „Digitalisierung und Automatisierung in der Milchviehhaltung – gut für das Tierwohl?“. Dr. Hans-Joachim Herrmann (Geschäftsstelle Tierwohlkompetenzzentrum Rind beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen) und Dr. Gudrun Plesch (FiBL) moderierten die Talkrunde.

Per Video zugeschaltet waren Julia Hewecker, Betriebsleiterin eines Tierschutzlabel-Betriebes mit 250 Milchkühen in Hessen sowie Biolandwirt Jasper Metzger-Petersen mit 500 Kühen in Schleswig-Holstein und der zukünftige Betriebsleiter Bastian Buschhaus aus Nordrhein-Westfalen, der seine 270 Kühe mit einem Roboter melken lässt. Alle drei unterstrichen die Chancen, die eine automatisierte Erfassung gerade bei der Früherkennung von Krankheiten bietet, zeigten aber auch mögliche Grenzen auf:

  • Zur Brunsterkennung bei Färsen verlässt sich die Betriebsleiterin im Betrieb Hewecker voll und ganz auf die automatisierte Erfassung des Tierverhaltens. Für sie ist eine tierwohlorientierte Tierhaltung auch immer gleichzusetzen mit einer personalintensiven Tierhaltung, daher brachte die Digitalisierung ihr in bestimmten Bereichen keinen Vorteil. So werden die Kälber nun wieder von Hand getränkt, weil das Personal mit der Bedienung des Tränkeautomates nicht zurecht kam.
  • Bei Jasper Metzger-Petersen läuft die Organisation der täglichen Arbeitsabläufe bereits digital ab, indem die Betriebsmitarbeiter über Messenger-Dienste Informationen, beispielweise Brunstbeobachtungen, untereinander teilen und vor allem für eine spätere Nachverfolgung speichern.
  • Auf dem Betrieb Buschhaus hat eine optimierte Nutzung der bei jedem Melkvorgang erfassten Daten aus dem AMS, wie die Temperatur oder den Fett-Eiweiß-Quotienten, zu einer Verbesserung der Krankheitsprophylaxe und damit des Tierwohls geführt. Der Betrieb möchte die Zwischenkalbezeit verlängern und ein selektives Trockenstellen durch Unterstützung digitaler Daten erreichen. Für ihn ist wichtig, dass Routinearbeiten auf dem Betrieb weitgehend durch Roboter erledigt werden, damit er sich auf Managementarbeiten konzentrieren kann.

Mit hoher Fachkompetenz führten die Teilnehmer eine teilweise kontroverse Diskussion und zeigten somit auf, dass der Erfolg von Automatisierung und Digitalisierung auf dem Betrieb neben Form und Grad vor allem auch von der Akzeptanz bei den Anwendern abhängt.

Die Videoaufzeichnung der Veranstaltung ist für registrierte Besucher der „EuroTier digital“ bis zum 15. April 2021 auf der Digital-Plattform im Menü Fachprogramm oder direkt unter diesem Link eurotier.digital.dlg.org/eventdate/Impulsbetriebe-Tierwohl-Digitalisierung-in-der-Milchviehhaltung–rind_46. Noch nicht registrierte Nutzer können über den Ticketshop der EuroTier Zugang erhalten.

Hintergrund:

Als Teil des Bundesprogramms Nutztierhaltung fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) den Aufbau des Netzwerkes Fokus Tierwohl. Das Verbundprojekt der Landwirtschaftskammern und landwirtschaftlichen Einrichtungen aller Bundesländer hat das Ziel, den Wissenstransfer in die Praxis zu verbessern, um schweine-, geflügel- und rinderhaltende Betriebe hinsichtlich einer tierwohlgerechten, umweltschonenden und nachhaltigen Nutztierhaltung zukunftsfähig zu machen. Ausführliche Informationen sind unter www.fokus-tierwohl.de zu finden.

FiBL und DLG verantworten gemeinsam die zentrale methodisch-didaktische Aufbereitung von Informations- und Schulungsmaterialien sowie die redaktionelle Betreuung der projekteigenen Homepage.

weitere Informationen: DLG, www.dlg.org

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