Nacherwärmung

Nacherwärmung


Neben der Fehlgärung ist die Nacherwärmung eines der Hauptprobleme der Silagebereitung – sowohl bei Mais- als auch bei Grassilagen. Wie kommt es dazu? Die Ursachen dafür liegen im Wesentlichen im Silier- und Entnahmemanagement von Silagen. Im Silo und auch im Siloballen reichert sich während der Gärphase neben Milchsäure auch schützendes CO2 an. Sobald das Silo geöffnet wird, strömt Luft(-sauerstoff) in die Poren und Hohlräume des Futterstocks und verdrängt das Kohlendioxid. Nun können Hefen wachsen, die bislang keine idealen Lebensbedingungen im Silo hatten. Die Hefen setzen den Restzucker zu Ethanol und CO2 um, ein Prozess bei dem Wärme frei wird, das Silo erwärmt sich. Wo Wärme entsteht, geht Futterenergie verloren und das Silo verliert an Trockenmasse.

Damit aber noch nicht genug: Da einige Hefen auch die konservierende Milchsäure verstoffwechseln, steigt der pH-Wert in der Silage an. Nun finden auch Schimmelpilze verbesserte Lebensbedingungen vor und vermehren sich. Schimmelpilze aber können gefährliche Pilzgifte, die Mykotoxine, bilden, die bei Nutztieren zu Leistungsdepressionen und schweren organischen Krankheiten führen können. Viele Landwirte kennen die weißlichen, gräulichen oder roten Schimmelnester im Silo. Dieses belastete Futter muss entsorgt werden.

verschimmelte Maissilage, © ballensilage.com
verschimmelte Maissilage, © ballensilage.com

Besonders gefährdet sind die oberen Bereiche des Fahrsilos, wo die Futterschichten tendenziell weniger gut verdichtet worden sind als im Silokern. Dies belegen Temperaturmessungen deutlich und zeigt sich immer wieder beim Abdecken von Silagen. Beim Siloballen sind nicht selten die äußeren Schichten betroffen.

Das Problem der Nacherwärmung bei Grassilage zeigt sich besonders stark bei Silagen, die bei hohen TM-Gehalten einsiliert worden sind. Kommt beim Gras eine lange Schnittlänge hinzu (häufig bei Pferde-Heulagen der Fall) gestaltet sich die Verdichtung des Silos schwierig. Ziel der Silagebereitung muss es sein, ein aerob stabiles Gärfutter ohne Nacherwärmung zu erzeugen.

  • zu hohe TM-Gehalte (>40%) vermeiden, Gras nicht zu lange trocknen lassen
  • bei Fahrsilos und Feldmieten darf das Festwalzen / Verdichten des Silos nicht zu kurz kommen, notfalls muss der Silagewagen auch mal etwas warten, bevor die nächste Lage Erntegut auf dem Silo verteilt wird
  • Siloballen bestmöglich verdichten und nicht an Wickelfolie sparen
  • bei der Dimensionierung von Fahrsilo und Feldmiete auf ausreichend Vorschub achten
  • Einsatz von Siliermitteln in Erwägung ziehen: biologische Produkte auf Basis heterofermentativer Milchsäure-Kulturen bzw. chemische Mittel z.B. mit Benzoesäure können Nacherwärmungstendenzen entgegenwirken
  • der Silage ausreichend Zeit zur Vergärung geben: je länger das Silo geschlossen bleibt, desto höher ist die aerobe Stabilität
  • beschädigte Silofolien / Stretchfolien umgehend ausbessern
  • das Behandeln der Anschnittfläche mit Propionsäure hilft nur sehr bedingt, denn die Säure dringt nicht in die tieferen Schichten des Silos vor. Zudem ist Propionsäure sehr gefährlich im Umgang
  • Siloballen rasch verfüttern

Sofern belastete Silage TMR-Mischungen beigefügt wird, verteilen sich Hefen und Schimmelpilze natürlich in der Mischung und vermehren sich rasch. Hier ist auf zeitnahes Verfüttern der Mischung zu achten. Zur aeroben Stabilisierung bietet die Industrie eine große Produktauswahl an.

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