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Unterwasser-Tests im Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow: Ein Fischotter drückt zwei flexible Drahtseile auseinander und entweicht aus einer Fischreuse, © Tierärztliche Hochschule Hannover/ Aktion Fischotterschutz
Unterwasser-Tests im Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow: Ein Fischotter drückt zwei flexible Drahtseile auseinander und entweicht aus einer Fischreuse, © Tierärztliche Hochschule Hannover/ Aktion Fischotterschutz

LWK Niedersachsen / 11.10.2017
Gute Nachrichten für Otter und Fisch

Pressemitteilung / (Hankensbüttel) Fische bleiben drin, Fischotter gelangen schadlos wieder hinaus: So funktionieren zwei neue Mechanismen für Fischreusen. Entwickelt hat diese Technologie unter anderem die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die Ausstiegsmöglichkeiten, die am Dienstag (10. Oktober) im Otter-Zentrum Hankensbüttel (Kreis Gifhorn) vorgestellt wurden, sollen gleichermaßen den Interessen der Fischer wie des Naturschutzes Rechnung tragen.

Es gibt gute Nachrichten für Otter und Fischer: In einem aus der Fischereiabgabe des Landes Schleswig-Holstein geförderten Projekt wurden erfolgreich zwei Ausstiegsvarianten für den Otter aus Reusen getestet. Der Europäische Fischotter (Lutra lutra) steht in Deutschland auf der Roten Liste gefährdeter Tiere. Die Haupttodesursache von Fischottern in Deutschland ist der Tod im Straßenverkehr. Eine weitere Gefahr für die Tiere sind Fischreusen. Wenn in diesen Fische gefangen sind, kann es passieren, dass ein Otter in eine Fischreuse schwimmt, um seinerseits die gefangenen Fische zu erbeuten. Dann kann er sich nicht mehr befreien und ertrinkt.

Um diese Todesursache zu unterbinden, führte der Verband der Binnenfischer und Teichwirte in Schleswig-Holstein gemeinsam mit der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und dem Fachbereich Fischerei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Zusammenarbeit mit der Aktion Fischotterschutz sowie dem Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow das Projekt: „Untersuchung verschiedener Ausstiegsmöglichkeiten für Fischotter (Lutra lutra) aus Fischreusen“ durch. Ziel war es, einen geeigneten Reusenausstieg zu entwickeln, durch den Fischotter die Reuse ohne Schaden wieder verlassen können.

Bisher übliche Schutzgitter haben technische Nachteile

Die bisher zur Vermeidung des Ertrinkens in Fischreusen üblichen Otterschutzgitter vor dem Eingang der Reusen haben den Nachteil, dass sich dort Treibgut sammelt, der Eingang für große und hochrückige Fische zu klein wird und infolgedessen die Fänge deutlich zurückgehen. Die beteiligten Netzkundeexperten aus der Fluss- und Seenfischerei haben daher zwei neue Mechanismen für Reusen entwickelt, die die Fischerei kaum beeinträchtigen und zugleich dem Fischotter einen sicheren Ausstieg ermöglichen.

Einer der neuen Otterausstiege besteht aus zwei flexiblen Drahtseilen von etwa 26 Zentimeter Länge, die ins Netz der Reuse eingearbeitet werden und durch eine lockere Gummiwicklung zusammengehalten werden. Der zweite Reusenausstiegstyp besteht aus zwei festen Metallbügeln, die durch eine Feder zu öffnen sind. Die aktuellen sowie bereits früher gelaufene Versuche haben gezeigt, dass der Otter besonders im hintersten Fangteil der Reuse nach einem Ausgang sucht. Deswegen wurden die Otterausstiegsöffnungen im hinteren Reusenteil eingebaut. Der Otter spürt, dass das Gummiband bzw. die Feder auf Druck nachgeben, drückt die entstehende Öffnung weiter auseinander und kann die Reuse so schadlos verlassen.

Fische bleiben trotz des neuen Ausgangs in der Reuse

Tests im Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow haben ergeben, dass die neu entwickelten Reusenausstiege von Fischen nicht geöffnet werden können. „Die Technik erhält also die Funktion der Reuse als Fischfanggerät und dient zugleich dem Schutz des Otters“, sagt der Fischereiberater der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, Steffen Göckemeyer. Die otterfreundliche Umrüstung einer Standardreuse dauert bei in der Netztechnik kundigen Personen etwa eine Stunde.

In der Vergangenheit gab es viele Debatten darüber, wie man die Problematik des Ertrinkens von Fischottern in Reusen lösen sollte. Auch juristisch wurde diese Fragestellung umfassend untersucht. Ohne Otterschutzeinrichtung drohte ein komplettes Verbot der Reusenfischerei an zahlreichen Gewässern. „Wir freuen uns, dass durch diese otterfreundlichen Reusen sowohl dem Fischotter als auch der Fischerei Rechnung getragen wird. Überall dort, wo Reusenfischer arbeiten und Fischotter leben, haben wir gemeinsam eine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden“, resümiert Dr. Oskar Kölsch, der Vorstandsvorsitzende der Aktion Fischotterschutz.

Reif für den praktischen Einsatz

Aus Sicht des Otterschutzes sind sich die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und die Aktion Fischotterschutz einig, dass beide neu getesteten Reusenausstiegsvarianten gute Otterschutzmaßnahmen für die Fischerei darstellen und daher in der Praxis Anwendung finden sollten. Die getestete Reuse ist der in der Fischerei am häufigsten eingesetzte Reusentyp. Eine breite Anwendungsmöglichkeit ist somit sichergestellt. Es besteht ein erhebliches, auch internationales Interesse (z.B. durch die Niederlande) an den Ergebnissen. Die beteiligten Institutionen empfehlen, beide Varianten als zusätzliche otterschützende Maßnahmen für Reusen dieses Typs und ähnlicher Größe zu nutzen.

weitere Informationen: LWK Niedersachsen, www.lwk-niedersachsen.de

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